Kolumne - Berichte aus der Praxis

Kolumne

Lieblingsplätze

oder wie Mia und Ronja und manchmal auch Jackson Pollock der Oma helfen, die Welt zu entdecken.

Ich habe – ehrlich gesagt – viele Lieblingsplätze und es fällt mir schwer „den“ Lieblingsplatz zu benennen.

Da gibt es die Treppchen an der unteren Werft am Rheinufer, wo man Schiffen, Treibgut und Möwen im Sonnenuntergang gedankenverloren zusehen kann. Oder meinen Korbsessel im Eifel-Garten, wo ich auf die Fledermaus am dämmernden Abendhimmel warte, um ihr beim taumeligen Mückensammeln zuzuschauen oder ich mag es aus meinem Fenster auf die Kastanien, die Rheinwiesen und den Rhein zu blicken und ihn mit einem Schluck Rotwein am Abend zu grüßen.

Aber einen meiner absoluten Lieblingsplätze gibt es in der Kunstsammlung NRW auf dem Grabbeplatz in der ersten Etage – manchmal. Nämlich dann, wenn wieder einmal Jackson Pollocks Werk Number 32 dort hängt. Immer wenn ich angespannt bin, nicht zur Ruhe komme und überhaupt meine Wahrnehmung zu wünschen übrig lässt, schaue ich mir das Bild fünf Minuten lang an und die Welt ist in Ordnung, in meiner (oder Pollocks?) Ordnung. Ich bin dann offen für vieles, für anderes.

Mia(5) und Ronja (7), meinen Enkeltöchtern wollte ich – vorsichtig – dabei helfen, das Gleiche zusammen mit mir zu versuchen. Obwohl, sie sehen noch alles klarer offener und unverbrauchter, als wir Erwachsene es jemals wieder könnten. So findet Ronja die Glasmosaike im Museum Kunstpalast so wunderschön, weil sie kräftige Farben haben und bleibt andächtig vor ihnen sitzen. Oder das Innengespinst im Atrium, weil es immer was Neues zu entdecken gibt. Sie hat Recht.

Mia lässt sich eher vorsichtig auf die Kunst ein. Schaut mal interessiert hin, geht über vieles einfach weg und entdeckt auf ihre Art genau das, was sie mag. So sitze ich mit ihr in der Kunstsammlung auf dem Boden – gibt gerade keinen passenden Sitz – und schaue mit ihr ein buntes Franz Marc-Bild an. Während ich noch versuche, genau zu erkennen, was alles da drauf ist, von wilden Tieren oder ähnlichem fasele, sagt die kleine Person ganz entschieden: „Drei Katzen!“ „Ja, Du könntest recht haben“, versucht ihr die kluge Oma entgegen zu kommen und betrachtet noch ein wenig gemeinsam mit ihr das Bild. - Beim Weggehen lese ich den Titel: „Drei Katzen!“